Ausgabe 2/2025

KI und Gesellschaft
Das Unternehmen Opinium befragte rund 8.000 Personen aus der allgemeinen Bevölkerung und knapp 800 Führungskräfte in Großbrittanien, Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland zu neuen Technologien wie generativer Künstlicher Intelligenz. Zentrale Ergebnisse: Diskrepanz: 79% der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass die Öffentlichkeit neuen Technologien vertraut.
Doch nur knapp die Hälfte der befragten Bürger:innen bestätigen diese Wahrnehmung. . Optimismus: Die Allgemeinheit ist im Vergleich zu Führungskräften rund 20 Prozent weniger optimistisch in Hinblick auf neue Technologien wie generative KI. Unter den befragten Ländern waren insbesondere die Deutschen und Franzosen eher pessimistisch. .
Sorgen der Bevölkerung: Mehr als die Hälfte der befragten Bürger:innen zeigte sich besorgt über die Auswirkungen neuer Technologien auf Jobs, Wohlstand und Gleichheit. Die Umfrage illustriert deutlich die hohe Relevanz von Nutzervertrauen für einen gewinnbringenden Einsatz von KI.
Für Unternehmen ist es also wichtig, vertrauensbildende Maßnahmen zu ergreifen, wenn sie neue Technologien im Kundenkontakt einsetzen wollen.
Zur Pressemeldung →In ihrem im Mai 2025 veröffentlichten "AI Sentiment Index 2025" befragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (Ernst & Young) mehr als 15.000 Personen in 15 Ländern zu KI. Zentrale Ergebnisse: Zufriedenheit mit Ergebnissen: Rund 80 Prozent der befragten Nutzer:innen von Künstlicher Intelligenz in Deutschland erklärten, dass KI-Anwendungen ihre Bedürfnisse genau verstehen.
Im internationalen Vergleich belegt Deutschland damit eine Spitzenposition, während gerade in Asien die Umsetzung der Anfragen durch KI erheblich schlechter bewertet wird. . Überprüfung von Ergebnissen: Während global gut 30 Prozent KI-generierte Ergebnisse überprüfen, ist es in Deutschland nur rund jede:r Vierte.
Eine Bereitschaft zur Überarbeitung der generierten Inhalte besteht lediglich bei 15% der Befragten in Deutschland. . Skepsis bei Gesundheitsdaten: KI in der Medizin bietet bereits viele Möglichkeiten. Doch die Menschen in Deutschland stehen dem eher skeptisch gegenüber: Nur knapp 40% sind mit einer Nutzung persönlicher Gesundheitsdaten durch KI grundsätzlich einverstanden.
Die Ergebnisse der EY-Befragung unterstreichen die Notwendigkeit von Schulungsmaßnahmen, sofern die KI-Anwendungen einsetzen möchte. Denn eine Überprüfung der Ergebnisse wird in vielen Einsatzbereichen von KI unverzichtbar sein. Die in der Umfrage erhobenen Daten zur KI-Nutzung in der Medizin illustrieren zudem, dass ein "AI-only"-Ansatz zum jetzigen Zeitpunkt nicht empfehlenswert ist.
Zur Pressemitteilung →Die Opinium-Diskrepanz zwischen Unternehmenserwartung und Bevölkerungsskepsis ist ein Kommunikationsauftrag: Wer KI einführt, muss den Nutzen intern wie extern erklären, nicht voraussetzen. Akzeptanz entsteht durch Transparenz über Zweck und Grenzen des Einsatzes, nicht durch Technikbegeisterung.
KI und Arbeit
Das IT-Beratungsunternehmen Gartner untersuchte in einer aktuellen Umfrage unter rund 450 Führungskräften weltweit, wie gut Unternehmenschefs ihre Führungskräfte auf die Veränderungen durch KI vorbereitet sehen. Zentrale Ergebnisse: Relevanz von KI: Rund drei Viertel der befragten Unternehmenschefs gehen davon aus, dass KI die Wirtschaft verändern wird. .
Mangelnde Kompetenz bei Führungskräften: Weniger als ein Fünftel der Befragten trauen ihren Führungskräften einen sachkundigen Umgang mit KI zu. Selbst den Führungskräften in technischen Bereichen (Chief Information Officer, Chief Data Officer) messen nur rund 40 Prozent der Geschäftsführer hinreichende KI-Kompetenz zu.
Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass Geschäftsführer ihre Führungskräfte besser im Umgang mit KI schulen sollten. Nur auf diese Weise kann der Diskrepanz zwischen der unisono attestierten Relevanz von KI und dem mangelnden Vertrauen in das Fachwissen der Verantwortlichen begegnet werden.
Zur Pressemitteilung →Gemeinsam mit der Universität Melbourne erhob KPMG, in welchem Umfang Studierende und Arbeitnehmer KI nutzen und inwieweit sie den Anwendungen vertrauen. Für die im Frühjahr 2025 erschienene Studie wurden knapp 50.000 Personen aus 47 Ländern weltweit befragt. Zentrale Ergebnisse: Nutzervertrauen und -akzeptanz: Mehr als die Hälfte der Befragten ist zurückhaltend, KI zu vertrauen.
Allerdings akzeptieren über 70 Prozent die Nutzung. Auffällig ist, dass Befragte in etablierten Industrienationen tendenziell weniger Vertrauen und Akzeptanz zeigen als Nutzer:innen in Schwellenländern. . Nutzung und Kompetenzen: Rund zwei Drittel der Befragten nutzen KI im privaten Umfeld regelmäßig.
Allerdings mangelt es an den entsprechenden Kompetenzen: mehr als 60 Prozent sind bislang nicht im Umgang mit KI geschult. . KI am Arbeitsplatz: 58% der Befragten nutzen KI regelmäßig am Arbeitsplatz. Auch hier besteht ein Unterschied zwischen fortschrifftlichen Industrienationen und sich entwicklenden Ökonomien. In letzteren wird KI deutlich häufiger genutzt.
Zwar berichtet mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer, dass sich durch KI Produktivitätsgewinne ergeben. Zugleich kritisieren die Befragten jedoch die praktische Umsetzung von KI in Unterenehmen. Bei der Befragung handelt es sich um eine der aussagekräftigsten Erhebungen zur Nutzung von KI, die derzeit auf dem Markt verfügbar ist.
Die Studie zeigt, dass es bis zu einem vollumfänglichen Vertrauen der Nutzenden in KI-Anwendungen noch ein weiter Weg ist. Zudem legen die Ergebnisse nahe, KI strategisch und konsistent im Unternehmen einzuführen und Mitarbeiter:innen in diesen Prozess einzubinden.
Zur Studie →Wenn Unternehmenschefs ihre eigenen Führungskräfte für unvorbereitet halten, ist das Problem selten Kompetenz, sondern fehlende Struktur. Ein klares KI-Zielbild plus rollenspezifische Schulung holt Führungsebenen schneller ab als jede Tool-Lizenz.
KI und Healthcare
Im Januar 2025 stellte ein internationales Forscherteam in einem Fachbeitrag ein KI- gestütztes Modell zur Analyse von dentalen Panoramaaufnahmen vor. Die hohe Genauigkeit der Anwendung demonstriert eindrucksvoll einen möglichen Einsatzbereich von KI bei Zahnärzt:innen und Kieferorthopäd:innen.
Zentrale Ergebnisse: Anwendung: Das entwickelte Modell unterstützt Mediziner:innen bei der Erkennung anatomischer Strukturen und potenziell pathologischer Befunde bei der Röntgendiagnostik. Einen Schwerpunkt legten die Wissenschaftler:innen auf die automatisierte Erkennung odontogener Sinusitiden. . Genauigkeit: Das vorgestellte KI-Modell wies eine durchschnittliche Genauigkeit von 98,2 Prozent auf. .
Funktionsweise: Trainiert wurde die Anwendung in einem Deep-Learning-Verfahren zur objektbasierten Bildauswertung. Der Trainingsdatensatz umfasste eine große Bilddatenbank mit anatomisch unauffälligen Röntgenbildern und solchen mit krankhaften Veränderungen. Zwar bedarf es nach Aussage der Forscher:innen bis zum tatsächlichen klinischen Einsatz des Tools noch weiterer Validierung und Forschung.
Für Mediziner:innen ergeben sich durch das vorgestellte Modell zukünftig jedoch Zeitersparnisse und eine höhere Präzision in der Erstdiagnostik.
Zur Veröffentlichung →Der Vorstand der Bundesärztekammer hat in seiner Sitzung vom 14.01.2025 eine Stellungnahme zu "Künstlicher Intelligenz in der Medizin" veröffentlicht. Zentrale Inhalte: Relevanz: Wenngleich viele Anwendungen noch in der Entwicklungsphase seien, betonen die Autoren der Stellungnahme die hohe Relevanz von KI in der Medizin und messen der Technologie eine "revolutionäre" Wirkung zu. .
Technische Anforderungen: Die Bundesärztekammer geht davon aus, dass für eine erfolgreiche Implementierung von KI-Technologien im Medizinsektor bestimmte technische Anforderungen gewährleistet sein müssen, etwa betreffend die Robustheit von KI-Modellen. .
Schulung: In der Stellungnahme wird die hohe Relevanz von Schulungsmaßnahmen betont, beispielsweise zu den Grenzen KI-gestützter Diagnostik oder regulatorischen Anforderungen an den Einsatz. Forschung: Eine zentrale Forderung der Bundesärztekammer betrifft Forschungsinfrastrukturen.
Es gehe darum, unter Einhaltung ethischer und datenschutzrechtlicher Vorgaben die Möglichkeit für eine standortübergreifende Entwicklung von medizinischen KI-Anwendungen zu schaffen - auch, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Stellungnahme der Bundesärztekammer zeigt, dass KI aus der Zukunft der Medizin nicht wegzudenken ist.
Zugleich versucht sich die Vereinigung in der Festlegung einiger Rahmenbedingungen, um eine ethische und regulatorisch konforme Nutzung sicherzustellen.
Zur Stellungnahme →Die Dental-Studie zeigt das wiederkehrende Muster: KI liefert in eng umrissenen Diagnostikaufgaben bereits Facharzt-Niveau. Für Praxen heißt das, solche Werkzeuge als Zweitbefund zu pilotieren, die Letztverantwortung bleibt rechtlich wie fachlich beim Behandler.