Ausgabe 7/2025

KI und Gesellschaft
Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsdienstes YouGov liefert Erkenntnisse über die KI- Nutzung im privaten Bereich. Im Zeitraum vom 18.07.2025 bis zum 21.07.2025 wurden ca. 2.000 Personen befragt und die Ergebnisse anschließend so quotiert und gewichtet, dass sie repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren sind.
Zentrale Ergebnisse: Nutzungshäufigkeit: 17 % nutzen KI-Anwendungen täglich oder öfter, weitere 39 % nutzen KI-Anwendungen mindestens wöchentlich und lediglich 37 % nutzen sie seltener als ein mal pro Woche. Nutzungsverhalten: Die häufigsten Anwendungsfälle sind „schnelle Antworten oder Faktenchecks“, „Schreibhilfe“ und „schnelle Hilfe bei Fragen rund um Gesundheit“.
Marktrelevanz: Bereits 18 % aller Verbraucherentscheidungen werden durch KI beeinflusst. Trends: Bereits in früheren Briefings angesprochene Trends bestehen fort: Jüngere Menschen nutzen KI häufiger als ältere Menschen, gleichzeitig bestehen Vertrauens- und Datenschutzbedenken. Diese Werte zeigen, dass KI-Anwendungen bereits im Alltag vieler Menschen angekommen sind.
Zudem ist der Einfluss auf Verbraucherentscheidungen bemerkenswert, hier zeigt sich eine auch für Unternehmen interessante Entwicklung.
Zur Umfrage →Die YouGov-Zahlen zur Privatnutzung erklären, was Unternehmen im Büro erleben: Beschäftigte bringen KI-Gewohnheiten von zu Hause mit. Interne Regeln müssen diese Realität aufnehmen, ein Verbot dessen, was privat selbstverständlich ist, wird schlicht umgangen.
KI und Arbeit
Eine am 21. Oktober 2025 veröffentlichte Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter ca. 600 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden in Deutschland zeigt: KI hält Einzug in den Arbeitsalltag
- auch ohne formale Freigabe durch das Unternehmen. Beschäftigte greifen zunehmend auf
private KI-Tools zurück, um Aufgaben effizienter zu erledigen.
Zentrale Ergebnisse: 42 % der Unternehmen gehen davon aus, dass Mitarbeitende private KI-Tools für berufliche Zwecke einsetzen. 26 % der Unternehmen stellen offiziell Zugang zu generativer KI bereit. 23 % haben bereits verbindliche Regeln für den KI-Einsatz formuliert. 17 % planen aktuell die Einführung eigener KI-Lösungen, 30 % können sich die Bereitstellung künftig vorstellen..
Aus den Zahlen geht hervor, dass viele Mitarbeiter KI nutzen wollen, ob offiziell erlaubt oder nicht. Für Unternehmen bedeutet das sowohl Risiko als auch Chance. Wer keine klaren Regeln und sicheren KI-Zugänge anbietet, riskiert Datenabfluss und Kontrollverlust („Schatten-KI“).
Dagegen kann mit klaren KI-Richtlinien, sicheren Tools und gezielter Schulung von Mitarbeitern eine bereits vorhandene KI-Offenheit der Belegschaft genutzt werden.
Zur Pressemitteilung →Der am 14.10.2025 veröffentlichten "Fehlzeiten"-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, im Rahmen dessen auch Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt und die Arbeitsbelastung untersucht wurden, zeigt große Wissenslücken bei den Beschäftigten auf.
Zentrale Ergebnisse: 40 % der Befragten, in deren Betrieben KI eine Rolle spielt, haben an Fortbildungen zum Thema KI teilgenommen. 47 % der Befragten wissen nur „in etwa“, was man unter dem Begriff „Künstliche Intelligenz“ versteht und weitere 47 Prozent meinen, KI ganz gut erklären zu können. 5 % würden sich als Experte oder Expertin zu dem Thema bezeichnen.
Diese Wissenslücken sind insbesondere vor dem Hintergrund der Daten zum Einsatz von „Schatten-KI“, also KI-Anwendungen, die ohne Freigabe durch das Unternehmen von den Mitarbeitern selbstständig eingesetzt werden, alarmierend. Es besteht für Unternehmen die reelle Gefahr, dass die Mitarbeiter nicht nur verselbstständigt mit KI arbeiten, sondern dabei nicht einmal genau wissen was sie tun.
Dem durch eine klare Strategie und Fortbildungen entgegenzuwirken, ist unerlässlich.
Zur Pressemeldung →Eine bereits Anfang August veröffentlichte Studie der TU Berlin zeigt auf, dass die Schwäche vieler KI-Systeme nicht etwa in der Anwendung selbst, sondern in der menschlichen Aufsicht, bzw. dem Zusammenspiel mit Menschen liegt. Zentrale Ergebnisse: Gerade in datenverarbeitenden Bereichen ist die KI oftmals besser und zuverlässiger als die menschliche Aufsicht.
Der Mensch möchte aber seiner Expertenrolle gerecht werden und greift in die Vorgänge ein. Je zuverlässiger die KI-Anwendung ist, desto größer wird die Gefahr, dass die menschliche Überwachung die korrekten Empfehlungen ignoriert oder überstimmt. Eine Lösung sieht das Forschungsteam in erklärbarer KI, insbesondere in einer klaren Kommunikation der eigenen Systemstärken und -schwächen durch das KI-Modell.
Das zeigt, dass die Erklärbarkeit von KI nicht nur, wie bereits in vorherigen Briefings aufgezeigt, ein Vertrauensthema ist, sondern auch Einfluss auf die Zuverlässigkeit der durch ein Mensch-KI-Team erstellten Arbeitsergebnisse hat. Für Unternehmen, die KI-Anwendungen in ihre Prozesse integrieren, ist das ein Punkt, auf den bei der Auswahl von Anwendungen hohes Augenmerk gelegt werden sollte.
Zur Studie →Schatten-KI ist das Compliance-Thema dieser Bitkom-Umfrage: Private Tools verarbeiten Unternehmensdaten außerhalb jeder Kontrolle. Die Antwort ist ein freigegebenes, gleichwertiges Angebot plus klare Richtlinie, erst dann lässt sich Untersagung auch durchsetzen.
KI und Healthcare
Ende Oktober hat Microsoft die Gesundheitsfunktion „Copilot for Health“ vorgestellt. Diese KI-Erweiterung des Microsoft Copilot wurde speziell für den medizinischen Sektor entwickelt und unterstützt Anwender bei der Dokumentation, Kommunikation und Informationssuche.
Zentrale Punke: Copilot for Health nutzt KI-basierte Sprach- und Textverarbeitung, um Patientendaten, Arztbriefe und Dokumentationspflichten effizienter zu bearbeiten. Das System kann zudem bei der Erstellung und Korrektur medizinischer Texte helfen, Gesprächsnotizen strukturieren und relevante Leitlinien oder Vorschriften kontextbasiert einblenden.
Für den DACH-Raum soll die Lösung mit Fokus auf Datenschutz und lokaler Datenhaltung bereitgestellt werden, um den Vorgaben der DSGVO zu entsprechen.
Copilot for Health könnte hier zielgerichtet bei der Erstellung von Schreiben und Recherche unterstützen.
Copilot for Health zeigt, dass Bürosoftware-Anbieter in die klinische Dokumentation drängen. Vor dem Einsatz gehören Auftragsverarbeitung, Datenflüsse in die USA und die Abgrenzung zum Medizinprodukt geprüft, die Funktion mag Standard werden, die Verantwortung bleibt beim Anwender.